Auf einer meiner Reisen nach Peru ist mir etwas passiert, das im Nachhinein ziemlich lustig ist – auch wenn ich es in dem Moment überhaupt nicht lustig fand.
Als ich in Lima durch die Zollkontrolle ging, hatte ich ein besonderes Geschenk für meine Familie dabei: deutsche Würstchen.
Ich wollte unbedingt, dass sie diese leckeren deutschen Würstchen probieren.
Doch das Universum hatte offenbar andere Pläne.
Der Zollbeamte öffnete meine Tasche, sah die Würstchen – und erklärte mir ganz ruhig, dass sie nicht ins Land eingeführt werden dürfen.
Und in diesem Moment begann mein kleines inneres Drama.
Ich versuchte zu erklären, dass es nur ein Geschenk für meine Familie sei.
Dass sie wirklich sehr gut sind.
Und dass diese Würstchen sicherlich keine internationale Krise zwischen Deutschland und Peru auslösen würden.
Aber es half nichts.
Die Würstchen blieben beim Zoll.
Und ehrlich gesagt: Ich war ziemlich verärgert.
In meinem Kopf lief sofort ein Film:
„Die werden die Würstchen bestimmt nicht wegwerfen… die werden sie heute Abend selbst essen – bei einer schönen Grillparty mit Bier und Wein.“
Ab diesem Moment arbeitete mein Verstand auf Hochtouren.
Die Zollbehörde sei eine Katastrophe.
Das passiere natürlich nur in meinem Land.
Alles sei korrupt.
Und überhaupt würde ich nie wieder durch diesen Flughafen reisen.
Innerhalb weniger Minuten war aus ein paar Würstchen ein großes Drama geworden.
Doch wenn man ehrlich ist, war das Ganze eigentlich ziemlich einfach.
Es ging gar nicht wirklich um die Würstchen.
Ich hatte mich einfach mit ihnen identifiziert – als wären es meine persönlichen Nationalschätze.
In Wirklichkeit war etwas anderes passiert:
Ich war in den Kampf mit der Realität gegangen.
Und immer wenn wir gegen das kämpfen, was gerade ist, entsteht Leiden.
Manchmal ein kleines Leiden.
Manchmal ein großes.
Aber es entsteht.
Die Würstchen waren nur der Anlass.
Ein anderes Mal ist es vielleicht ein Hähnchen am Flughafen.
Oder eine Strafe.
Oder eine unfreundliche Antwort.
Eine E-Mail.
Ein Kommentar.
Ein Blick.
Die Form verändert sich –
aber das Muster bleibt gleich.
Es gibt diesen einen Moment, in dem Widerstand auftaucht.
Der Moment, in dem die Stimme im Kopf sagt:
„Das kann doch nicht sein.“
„Das ist unfair.“
„Das sollte nicht passieren.“
„Das gehört mir.“
Und genau in diesem Moment beginnt der innere Kampf.
Von außen wirkt das oft wie eine Kleinigkeit.
Doch innerlich passiert viel.
Der Körper spannt sich an.
Die Atmung verändert sich.
Die Stimmung kippt.
Und plötzlich entsteht diese seltsame Atmosphäre, in der man merkt:
„Jetzt habe ich mich gerade wegen nichts aufgeregt.“
Das Interessante ist: Die Lösung besteht nicht darin, den Ärger zu unterdrücken.
Und auch nicht darin, krampfhaft „zen“ zu sein.
Der Schlüssel liegt darin, den Moment zu erkennen, in dem der Kampf beginnt.
Wenn du diesen Moment siehst, passiert etwas.
Du bist nicht mehr vollständig in der Geschichte gefangen.
Und manchmal reicht diese kleine Klarheit schon aus, damit der Ärger schneller wieder verschwindet.
Nicht, weil du nichts mehr fühlst.
Sondern weil du aufhörst, gegen das Unvermeidliche zu kämpfen.
Am Ende sind die Würstchen verschwunden.
Aber die Erkenntnis ist geblieben.
Sehr oft entsteht unser Leiden nicht durch das, was passiert –
sondern durch unseren Widerstand dagegen.
Und wenn wir aufhören, gegen den Moment zu kämpfen,
entsteht plötzlich etwas anderes:
mehr Raum,
mehr Leichtigkeit,
und manchmal sogar… ein Lächeln.
Viele Grüße
Martin
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