Zwangsgedanken verstehen: Hilfe durch Martín Polo
Viele Menschen kommen in die Therapie und sagen Sätze wie:
„Ich denke zu viel.“
„Mein Kopf hört nicht auf.“
„Meine Gedanken machen mich fertig.“
Besonders zwanghafte oder sich ständig wiederholende Gedanken können sehr belastend sein. Sie kreisen um Beziehungen, Entscheidungen, Ängste oder mögliche Szenarien – oft immer wieder um dasselbe Thema. Und manchmal tauchen sie einfach auf, ohne erkennbaren Auslöser.
Doch gleich zu Beginn ist eine wichtige Klarstellung notwendig:
👉 Das Problem ist nicht das Denken.
👉 Das Problem ist, alles zu glauben, was wir denken
Denken ist keine Schwäche – es ist eine Funktion
Unsere Psyche ist dafür gemacht zu denken.
Zu analysieren.
Zu fantasieren.
Zusammenhänge herzustellen.
Das ist kein Fehler, sondern ein zentraler Überlebensmechanismus.
Schätzungen gehen davon aus, dass wir täglich über 60.000 Gedanken haben.
Es wäre weder möglich noch gesund, jeden einzelnen davon zu kontrollieren oder zu bewerten.
Entscheidend ist etwas anderes:
Nicht jeder Gedanke ist wahr.
Nicht jeder Gedanke ist hilfreich.
Und nicht jeder Gedanke verdient unsere volle Aufmerksamkeit.
Die eigentliche Erschöpfung entsteht woanders
Die mentale Erschöpfung entsteht selten durch das viele Denken an sich.
Sie entsteht dadurch, dass wir in jeden Gedanken eintauchen, als wäre er Realität.
Sobald wir einen Gedanken für absolut wahr halten, reagiert der Körper:
- Anspannung entsteht
- das Nervensystem geht in Alarm
- Angst oder innere Unruhe nehmen zu
- Gedankenschleifen verstärken sich
In diesem Moment denken wir nicht mehr –
wir leben in einer inneren Geschichte, als würde sie gerade tatsächlich passieren.
Und genau das kostet enorm viel Energie.
Eine einfache Übung für den Alltag
Wenn du möchtest, kannst du heute etwas sehr Einfaches ausprobieren.
Immer dann, wenn ein intensiver, belastender Gedanke auftaucht, füge innerlich einen Satz hinzu:
„Das ist nur ein Gedanke.“
Mehr nicht.
Nicht, um ihn wegzumachen.
Nicht, um ihn zu verändern.
Nicht, um mit ihm zu diskutieren.
Nur, um ihn als Gedanken wahrzunehmen.
Diese kleine innere Distanz kann bereits spürbar entlastend wirken.
Der Gedanke ist noch da – aber er wird nicht mehr automatisch zur Wahrheit.
Vom Gehorchen zum Beobachten
Es macht einen großen Unterschied, ob du sagst:
„Ich habe diesen Gedanken“
oder
„Dieser Gedanke hat recht“
Zu lernen, Gedanken als mentale Ereignisse zu erkennen –
und nicht als Befehle oder Tatsachen –,
ist ein zentraler Schritt in vielen therapeutischen Prozessen.
Es geht dabei nicht um positives Denken.
Und auch nicht darum, den Verstand zu bekämpfen.
Es geht um eine neue Beziehung zur eigenen Gedankenwelt.
Wenn das gelingt:
- nimmt die innere Spannung ab
- das Nervensystem beruhigt sich
- Klarheit entsteht
- Handlungsspielraum kehrt zurück
Wenn Gedanken mehr sind als nur Gedanken
Manchmal sind zwanghafte Gedanken Ausdruck tieferliegender Themen:
alter emotionaler Verletzungen, ungelöster innerer Konflikte oder früh gelernter Schutzmechanismen.
In solchen Fällen reicht reine Beobachtung oft nicht aus.
In meiner therapeutischen Arbeit begleite ich Menschen dabei,
nicht nur auf der gedanklichen Ebene zu arbeiten,
sondern auch auf emotionaler und körperlicher Ebene.
Denn wenn sich das innere System beruhigt,
verliert auch die Gedankenwelt ihre Schärfe.
Veränderung geschieht dann nicht durch Kontrolle,
sondern durch innere Sicherheit.
Wenn dich dieses Thema anspricht und du tiefer daran arbeiten möchtest,
kannst du mich gern kontaktieren.
Manchmal beginnt Entlastung nicht damit, weniger zu denken –
sondern damit, nicht mehr alles zu glauben.
Herzliche Grüße
Martín Polo
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